J’me barre


Ichi for the michi
Mai 26, 2008, 1:07 nachmittags
Einsortiert unter: Japan, Nagano
24.5.

 

 

Zunaechst einmal helfe ich Dominique den gesamten Vor- und Nachmittag einen Apfelbaumhain von seinen Baeumen zu befreien, sprich wir holen Feuerholz. Und das, obwohl mir der Iizuna noch gewaltig in den Beinen steckt.

 

 

Die Zeit wird knapp und wir muessen uns fertig machen, denn wir gehen zu einer Hochzeit, bei der Dominique darum gebeten wurde die Festreden vom japanischen ins deutsche zu uebersetzen. Dabei sollte ich Ihn unterstuetzen. Die Zeremonie im Tempel wurde schon am Nachmittag im Chusha-Schrein abgehalten und wir gesellen uns zum anschliessenden Fest, dass im Ryo-Kan (japanische Herberge) von Takajama-san einem Freund von Domi und Sylvie, der ausserdem Shinto-Priester ist, stattfindet. Zunaecht helfen wir alle noch backstage in der Kueche mit. Hier kann ich meine Erfahrungen als Steward bei Capital Catering voll ausspielen. Mein Sprachtalent ist danach weniger gefragt, weil Domi sich ganz gut macht. Sein Deutsch war etwas angestaubt, aber fuenf Jahre Berlin-Kreuzberg haben ihn nicht ganz losgelassen und es er muss letztendlich nicht von japanisch nach deutsch uebersetzen, sondern andersherum. Ich werde in der Zeit als Zimmermaedchen eingeteilt und darf Futons beziehen, nutze die Zeit aber nebenbei um mein Zaehlfaehigkeiten von drei auf unglaubliche fuenf auszubauen. Ichi, ni, san, yong, go. Am Ende lerne ich dann noch Wadi (fertig).

 

 

Jetzt duerfen wir auch endlich essen und gesellen uns zu der Festgemeinschaft. Die Haelfte ist aus Deutschland angereist, bzw. sind deutsche Kollegen des Braeutigams Friedemann, der in Yokohama beim TUeV arbeitet. Darunter tut sich mir auch ein Kontakt in Schanghai auf. Das essen ist fantastisch und selbst diejenigen, die bisher Fischverweigerer waren koennen nicht wiederstehen.

 

 

Danach geht es zum obligatorischen Alkohol ueber. Zunaechst Bier (das japanische ist erstaunlich gut) ueber Sake kommen ploetzlich eingeflogene kleine Feiglinge zum Vorschein. Das nutzen wir Deutschen um uns als Saufbotschafter zu betaetigen und je oefter das sinnlose Ritual mit dem Flaschendeckel auf der Nase vorgefuehrt und nachgemacht wird steigt der Pegel langsam, bzw. etwas schneller bei den Japanern, womit ich feststellen muss, dass dieses Vorurteil keins ist. Sie vertragen wirklich weniger. Dabei lerne ich von den expats gleich noch ein wenig japanisch (siehe Posttitel). Heisst soviel wie one (ichi) for the road (michi), quasi das gute alte (Heim-)Wegbier.

 

Aus Feigling wird Tequilla. Ich trinke ausgiebig mit dem Sohn von Takayama-san, der Koch in einem chinesischen Restaurant in Nagano ist und macht ein wenig auf Yakuza. Er nutzt sich die ihm gebotene Moeglichkeit ausgiebig mal abzuschalten, denn er hat NIE Ferien. Zunaechst fangen wir mit braunem Tequilla an der scheint ihm so gut zu schmecken, dass er sich danach gleich noch einen etwas groesseren nachschenkt. Ich hatte mich in der Zwischenzeit allerdings schon um weissen bemueht und er sah sich genoetigt seinen halben Zahnputzbecher zu exen. Den weissen gleich hinterher. Das Pegel scheint seinem Klavierspieltalent keinen Abbruch zu tun und er schmeisst fuer eine Weile die Party ganz alleine. Ich vertiefe mich in der Zwischenzeit in eine Disskussion mit Kentaro aus der Naehe von Tokio, der auch zu den wenigen Japanern gehoert, die unter dem Alkoholeinfluss standhaft geblieben sind. Dazu darf sich auch der Brautvater zaehlen, dem anzusehen war, dass er sich an diesem Tag vor seiner doytsu kazuka keine Schwaeche eingestehen will.

 

 

Die Disskussion mit Kentaro und anderen beginnt irgendwo bei einem moeglich Eu-Eintritt der Tuerkei und bleibt beim zweiten Weltkrieg und Kriegsverbrechen der Deutschen und Japaner stecken. Die Deutschen zeigen hier mehr Einsicht, in Japan wird aufgrund des weitverbreiteten Negationismus, das ganze etwas verklaerter gesehen. Bestenfalls, so wie bei Kentaro wird gesagt, dass man nicht wirklich weiss OB die Kriegsverbrechen passiert sind (siehe Wikipedia: Nanking, mein Hintergrundwissen ist hier leider auch sehr beschraenkt bzw. nicht vorhanden). Im Laufe der Disskussion wird der Sohn der Herberge, der in der Zwischenzeit aggressiv geworden ist, an uns vorbei Stuehle umwerfend zu Bett geschubst. Das ganze endet damit, dass wenig spaeter ein Krankenwagen vor der Tuer steht. Als ich den Sohn das naechste Mal sehe hat er die Arme verbunden, weil er mit der blossen Hand diverse Glasscheiben durchschlagen hat. Wie er es geschafft hat, dass sein Auge boxerlike zugeschwollen ist bleibt mir allerdings ein Raetsel.
Fazit: In Deutschland waer das doch ne nette Party gewesen oder? Um halb fuenf geht es ins Bett.

 

25.5

 

Und um 9 muss ich auch schon wieder aufstehen, da in der Kueche nach einem Fruehstueck der Abwasch wartet. Zum Abschied legt Takayama-san mir zu Ehren seine Priestertracht an und spricht ein Bittgebet fuer eine sichere Reise waehrend er auf seiner Taikotrommel spielt.

 

Da ich keine Fotos von der Hochzeit habe mich aber im Laufe des Nachmittags bei der ansonsten ereignislosen Besichtigungs eines weiteren Schreins von Togakuchi der Fotographie von nebelverhangenen Waeldern hingegeben habe zeig ich euch einfach ein paar der dabei entstandenen Aufnahmen.




Bitte weiterhin an der Umfrage unter jmebarre.blogspot.com teilnehmen.



Iizuna: Lost and found
Mai 26, 2008, 1:06 nachmittags
Einsortiert unter: Japan, Nagano
23.5.

An diesem Freitag mache ich mich im Laufe des Vormittags an die Erklimmung des Mount Iizuna in dessen Schatten das Haus von Dominique und Sylvie liegt. Wiederum statte ich mich mit einer Baerenglocke aus, man weiss ja nie. Geht es am Anfang noch relativ flach durch den Wald wird das Gelaende immer anspruchsvoller. Ueber Stock und Stein geht es und das Gestruepp lichtet sich mit jedem Schritt. Mit jedem Schritt macht sich auch bemerkbar, wie mein aktueller Trainingsstand wirklich ist. Die Pausen werden oefter und laenger, denoch schaffe ich es die prophezeite Aufstiegszeit von 2,5 Stunden um eine Halbe zu unterbieten. Am Gipfel angekommen bitte ich einen japanischen Herren ein Foto von mir zu machen (siehe weiter unten). Der aufmerksame Beobachter erkennt darauf die Sonnenbrille. Auf dem eigentlichen Gipfel wird mir gleich angeboten ein Foto von mir zu machen. Die Sonnenbrille ist zu diesem Zeitpunkt allerdings verschwunden.
Keine zehn Minuten spaeter erreichen zwei junge Japaner den Gipfel und steuern schnurrstracks auf mich zu. In der Hand halten sie dabei, dreimal duerft ihr raten…meine Sonnenbrille. Den japanischen Sitten entsprechend zeige ich mich zuvorkommend und teile meine Schokolade. Daraus entsteht dann ein Gespraech, das mit chotto (wenig) Englisch, meinem japanischen Phrasenbuch und mit Haenden und Fuessen gefuehrt wird. Wenn man will versteht man sich. Mizuki und Hiro sind aus Nagano. Sie ist wenn ich es richtig verstanden habe social worker und er macht ausser Noise music nichts weiter. Die beiden bestehen darauf, dass ich sie bei sich zu Hause besuche und wir verabreden, dass ich wenn ich am Freitag von meiner Tour diese Woche wiederkomme von ihnen am Bahnhof von Nagano aufgegabelt werde. Dann ist eine “Chulian welkom patty” geplant. Da der Brauch es verlangt, dass der Gast ein Geschenk mitbringt habe ich heute (26.5.) in Tokio einen japanischen Reisefuehrer ueber Deutschland gekauft. Ich hoffe der Wink mit dem Zaunpfahl wird verstanden und als Einladung zum Gegenbesuch aufgenommen.
Zusammen haben wir uns nach drei Stunden an den Abstieg gemacht und nach anderthalb Stunden haben wir den Fuss des Berges wieder erreicht und netterweise werde ich noch nach Hause gefahren. Dort oben ist man der Sonne auf jeden Fall naeher und daher faerbt sich im Laufe des Abends mein Nacken und die Handruecken leicht roetlich. Der erste Sonnenbrand.

Erster Gipfel: Man bemerke die Sonnenbrille
Zweiter Gipfel: Weg isse

Mizuki, Hiro und Icke


Umfrage-sondages-poll
Mai 23, 2008, 2:33 nachmittags
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check jmebarre.blogspot.com



Up to date…zumindest fast
Mai 23, 2008, 2:26 nachmittags
Einsortiert unter: Japan, Nagano
Nachdem ich Tokio gestern “abgearbeitet” habe versuche ich heute mal wieder auf den Stand zu kommen, also mal sehen, wie weit ich komme.

21.5.
Am Mittwoch gehts per Auto mit Domi und Sylvie in die japanischen Alpen. An dem kleinen See auf dem Foto von gestern machen wir Mittagspause, bevor es dann weitergeht zum Berg Shirane einem Vulkan der in meinen Augen noch nicht ganz erloschen aussieht. Das Wasser im Krater ist getruebt vom Schwefel. Am Gipfel wirft Boss der Hund von Domi und Syllvie wieder sein ganzen Charme in die Waagschale. Wenn man es richtig anstellt, dann ist der Hund die reinste Goldgrube. Eine Sammelbuechse mit nem Schild dran einmal streicheln 100 Yen und man haette ausgesorgt, weil wirklich JEDER den Hund streichelt, selbst die muerischsten alten Herren werden nach einer Weile weich. An den noch teilweise mit Schnee bedeckten Haengen faehrt die lokale Jugend Snowboard.
Danach geht es wieder im Auto bergab, bis die Haenge gruenlich-gelb werden, Dampf aus dem Berg austritt und die Luft nach faulen Eiern riecht. Wir kommen ins Gebiet der Schwefelthermen von Manza. Das Wasser wird direkt aus dem Berg in die sogenannten Onsen geleitet. Und darin laesst es sich herrlich entspannen, wer nicht aufpasst, dem kann es aber passieren, dass man wegen dem Geruch oder Hitze des Wassers einfach umkippt.


Krater des Shirane
Shirane
Shirane
Schwefel tritt aus der Erde bei Manza
Na und, beim pennen sieht man auch bescheuert aus
22.5.
Da die Familie heute wieder arbeiten muss mach ich mich alleine auf in die Stadt Matsumoto in der Region von Nagano. Hier steht eine der vier letzten im Originalzustand erhaltenen Holzburgen aus dem 17. Jahrhundert. Zunaechst schau ich mir aber das Performing Arts Center an, das von Ito Toyo 2004 entworfen wurde (fuer die, die sich fuer japanische Architektur interessieren). Die Wirkung des Gebaeudes entfalltet sich aber erst gaenzlich bei Nacht, wenn die in Fassade eingelassenen felsenfoermigen Plexiglaselemente beleuchtet werden.


Danach lass ich mich ein wenig durch die Hintergassen treiben und finde das eine oder andere interessante alte Gebaeude, zumeist Tempel. Ueberhaupt hat Matsumoto in der Beziehung mehr zu bieten, als Nagano, das bis auf den Zenko-ji (siehe weiter unten) eigentlich neben den Olympiastaetten von 1998 (und selbst die sind keine architektonischen Glanzleistungen) eigentlich nichts zu bieten hat.

Letztendlich zieht es mich aber zun Wahrzeichen der Stadt der Burg von Matsumoto, wegen der schwarzen Farbe die Kraehenburg genannt. Das 1595 erbaute Gebaeude mit seinen sechs Stockwerken ist die Aelteste der bestehenden Burgen und fuer sich alleine den Daytrip nach Matsumoto wert. Im “Burggraben” (50cm tief) schwimmen Koikarpfen, von denen die Groessten bestimmt 70 cm lang sind (was die wohl wert sind?). Hier treiben sich auch die ersten “Langnasen” herum, die ich in der Provinz gesehen habe.




Zurueck im Bummelzug nach Nagano. Dort bleibt mir denoch ein wenig Zeit bis Dominique mit seinem Sprachkurs fertig ist und ich schaue mir noch schnell den Zenko-ji an, den zweitgroessten Holztempel Japans und angeblich beherbergt er das erste 552 nach Japan gebrachte Bildnis Buddahs. Angeblich, weil selbst 37 Kaisergenerationen das Bild nicht zu Gesicht bekommen haben. Nur alle sieben Jahre wird der Oeffentlichkeit eine Kopie vorgefuehrt. Den Tempel selbst erreicht man nachdem man zwei riesige Holztore durchschritten hat.

Tor 1
Tor 2 (japanisches Kulturdenkmal)
Zenko-ji

Bleibt zu klaeren wer von beiden die Gottheit ist

Jetzt ist es auch schon wieder spaet und ich haenge immer noch zurueck, allerdings nur noch einen Tag. Lest demnaechst, von meiner heutigen Begegnung auf dem Iizuna in 1917,37 m Hoehe und wie Dominique und ich morgen fuer eine deutsch-japanische Hochzeitsgesellschaft die Festreden vom Japanischen ins Franzoesische (Domi) ins Deutsche (ich) uebersetzen. Gesetzt den Fall, dass der Sake uns keinen Strich durch die Rechnung macht. Ich hoffe ich komme dieses Wochenende nochmal an den Rechner ran, weil naechste Woche geht es wieder auf Tour (Tokio und Fuji-san). Fuers eifrige Lesen sag ich allen domo arigato gozaimas, ein schoenen Start ins Wochenende und mir selbst wuensch ich mir jetzt oyasumi nasai.



Tokio…ein erster Versuch
Mai 22, 2008, 2:15 nachmittags
Einsortiert unter: Japan, Tokio | Schlagwörter:
Nach einigen Tagen Funkstille melde ich mich mal wieder zu Wort. Dieser Post hat einfach eine Weile gebraucht um zu reifen. Anlaesslich meines ersten Ausbruchs aus der Idyle der Provinz Nagano-ku nach Tokio hat sich mir zum ersten Mal die Gelegenheit geboten einen Vergleich zu ziehen, bzw. eine Praeferenz zu finden zwischen Stadt und Land. Letztendlich moechte ich an dieser Stelle aber noch nicht endgueltig und allumfassend bewerten, aber Eins nach dem Anderen:
19.5.

Zum Einloesen meines Japan Rail Passes, eine Art Interrail-Ticket fuer das man in Deutschland nur einen Voucher bekommt, musste ich mich auf den Weg nach Tokio machen und das geht am billigsten mit dem Bus. Beim Warten auf selbigen fiel mir sofort die ausserordentliche Armut japanischer Staedte an Stadtmoebeln auf, sprich Baenke, Muelleimer und Uhren. Uhren hab ich spaeter festgestellt gibt es meist in Form von fassadenfuellenden, zur vollen Stunde laut quieckenden, kitschigen Kuckucksuhren. Das fehlen von Baenken laesst sich mit dem Lebensrythmus der Leute erklaeren. Man verweilt nicht, da dazu die Zeit fehlt. Schueler haben nach der Schule abends privat noch Unterricht und die arbeitende Bevoelerung ist froh nach der Arbeit schnell nach Hause zu kommen. Man hat keine Zeit zu verlieren.

Zielstation des Buses war Tokio-Shinjuku. Mit zwei Millionen Passagieren weltgroesster Umsteigebahnhof. Schock. Nicht nur die schiere Groesse und Unuebersich im Sueden tlichkeit, sondern auch das Wetter, das ein paar Grad waermer und dazu noch schwueler als in den Bergen war lassen mich ein wenig die Orientierung verlieren. Mit meinen zwei Reisefuehrern inkl. Stadtplaenen fuehle ich mich denoch einigermassen der Lage gewachsen. Der Bus kam am West exit an, das Japan Rail Ticket office liegt am Ost-Exit. Kein Problem. Einmal quer durch und man ist da. Warum ich letztendlich im Sueden wieder rausgekommen bin laesst sich mit den gefuehlten 20 Einkaufszentren erklaeren, die Teil des Bahnhofs sind, und die einen zu staendigen Richtungswechseln zwingt erklaeren. Der zweite Versuch endete am East central exit. Knapp daneben ist auch vorbei. An dieser Stelle kam mir der erste Arbeitstitel des anstehenden Blogpostes in den Sinn: Tokio-Come in and find out (you won`t). Durch den Bahnhof schien es nicht zu gehen, soviel war jetzt schon klar, also aussen rum und siehe da: success!!!

Ausgestattet mit meinem Rail Pass hab ich mich anschliessend an die Erkundung der naeheren Umgebung gemacht. Shinjukulaesst sich im Allgemeinen in zwei Teile einteilen. Im Westen das neue Hochhaus- und Verwaltungsviertel von Tokio und im Osten das Rotlicht- und Vergnuegungsviertel. Nach einer Stunde Wanderung durch den Osten war ich nahezu erblindet. Leuchtreklame ueberall und die tokioter Jugend, die modetechnisch einiges von sich haelt, bei mir aber Augenkrebs und Kopfschuetteln ausloest. Alles Clowns, sorry aber das ist alles was mir dazu einfaellt. Frauen wie Kerle (wobei man die auch schon wieder zu den Frauen zaehlen kann oder warum tragen alle Handtaschen, vorzugsweise von Luis Vuitton mit sich rum und tragen Haarspangen???).

Shinjuku

 

Shinjuku

Um ein wenig Abstand zu gewinnen mach ich mich auf in den Westen und such mir erstmal was zu essen. Gestaerkt geht es weiter zum Metropolitan Gouvernement Building, dem Rathaus von Tokio. Die Aussichtsplattform im 45. Stock gibt einem die Moeglichkeit sich einen Ueberblick ueber die gesamte Stadt zu verschaffen und an guten Tagen erlaubt die Weitsicht einen Blick auf den Fuji-san. Da es aber diesig war bleibt mir der Blick darauf versperrt. Hier faellt der Entschluss ihn sich einfach mal aus der Naehe anzuschauen. Danach geschafft in nen Manga Cafe, da ich auf die Spielhoellen mit den vielen Lichtern nicht mehr wirklich Lust hatte. In Mangakaffees kann man wie der Name schon sagt sich Mangas ausleihen soviel man will, DVDs gucken und im Internet surfen. Ich entscheide mich fuer Letzteres und guck mir das zweite Viertelfinalspiel von Alba an. Da ich das Ergebnis schon kannte war es aber nicht wirklich spannend und ich schreibe lieber Emails.

 

Rathaus

 

 

 

Blick vom Rathaus

 

 

 

Noch ohne Bleibe fuer die Nacht stellt sich die Frage: im Mangacafe oder doch das Kapselhotel. Die Wahl faellt erneut auf Letzteres. Viel zu erzaehlen gibt es dazu eigentlich nicht. Is halt ne Kapsel und die ist eng und ich habe nicht ganz japanisches Koerpermass, also ist es SEHR eng und obwohl ich mich fuer die Upgradekapsel entscheide, die mit einem air purifier angepriesen wird ist es auch SEHR stickig. Und trotz der ebenfalls angepriesenen besseren Schallisolierung hoert man die japanischen Geschaeftsmaenner (in Capsules Maenner only und Tattoos sind verboten, damit keine Yakuzas reinkommen) schnarchen. Fazit: once in a lifetime experience. Muss man nicht unbedingt machen ist aber ne Erfahrung mehr.

Folterkammer

 

20.5.
Morgens muss ich feststellen, dass nicht nur Geschaeftsmaenner, die den letzten Zug verpasst haben sich in den Kapseln einmieten, sondern auch Obdachlose, die es im Zuge der Globalisierung inzwischen auch hier gibt. Aufgrund der uniformen Schlafanzuege, die jeder bekommt faellt mir das aber erst beim wiederanziehen an den Spinden auf. Draussen regnet es, also erstmal n Kaffee in dem Internetcafe von gestern geschluerft. Danach ein entspannterer Spaziergang durch Shinjuku als gestern. Die Leuchtrekklamen sind zwar auch um 10 Uhr morgens schon an, aber die Strassen sind leerer. Fuer den Nachmittag bin ich mit Dominique, der diesen Tag beruflich nach Tokio kommt in einem Hotel nahe dem Kaiserpalast verabredet.
Die verbleibenden Stunden nutze ich um nach Akibahara das tokioter Elektronik-Shopping-Viertel zu fahren. Auf dem Weg dahin laueft mir ein Sumoringer ueber den Weg. In Akibahara haben einige Laeden spezielle Abteilungen fuer Gaijins (Auslaender) in denen man Duty free einkaufen kann. Ausserdem haben die Geraete die passenden Stromstecker und laufen auf 240 Volt, statt der hier ueblichen 100 Volt. Ich wiederstehe trotzdem der Versuchung mir irgendetwas zu kaufen, dessen technische Neuerung, wie eine Kamera mit automatischer Laecheln-Erkennung zu kaufen. Ich gehe lieber in ein CD-Geschaeft und kaufe mir eine CD Nihon-go Reggaemusic (japanischen Reggae) nachdem ich schon seit sechs Jahren auf der Suche bin, seit ich in nem Hotel an der Gold Coast Australiens zwei Japaner getroffen habe, die welchen dabei hatten.

 

 

 

Akibahara

An dieser Stelle muss ich mal ein Lanze brechen fuer den japanischen Service. Der Verkaeufer sah zwar nicht so aus, als ob er jemals Reggae gehoert haette, aber er hat sich gleich eifrig auf die Suche gemacht und selbst nachdem er mir eine CD gebracht hatte und ich dachte er haette mich vergessen hat er noch weiter gesucht und kam zehn Minuten spaeter mit nem ganzen Stapel an. Es gibt hier ausserdem noch Tankstellenwaerter die man aus dem Auto heraus bezahlt und die dann zur Kasse RENNEN, damit man nicht so lange warten muss. In den Kaufhaeusern gibt es gefuehlt einen Verkaeufer pro Regal und ausserdem Rolltreppenwaechter. An jeder noch so kleinen Strassenbaustelle stehen zwei Posten mit Fahnen, die den Verkehr regeln und das Putzpersonal der Bahn verneigt sich erfurchtsvoll vor dem einfahrenden Schnellzug.

 

Nachmittags dann mit Domi getroffen und zusammen im Shinkansen zurueck nach Nagano. Damit endet dann auch mein erster Trip nach Tokio. Man braucht definitiv seine Zeit sich zu aklimatisieren und letztendlich habe ich auch noch nichts gesehn. Es waere so als wuerde man ueber Berlin urteilen nachdem man nur den Bahnhof Zoo gesehen hat. Ein zweiter Trip ist schon in Planung fuer naechste Woche, allein schon um von dort aus in Richtung Fuji-san aufzubrechen. Wie gesagt man muss Tokio gesehen haben um Japan zu verstehen, die Seele des Landes liegt aber ganz woanders.

Shinkansen

Eigentlich hatte ich jetzt noch vor das Kontrastprogramm der folgenden zwei Tage zu bloggen, aber der Sake und die Muedigkeit machen mir gerade einen Strich durch die Rechnung. Ausserdem muss ich mein Bildmaterial noch ein wenig sichten, da ich in den letzten beiden Tagen locker dreimal soviele Bilder geschossen habe, wie in den zwei Tagen in Tokio.

 

Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 



Togakuchi: Ninja- und Baerenland
Mai 18, 2008, 12:32 nachmittags
Einsortiert unter: Japan, Nagano
Das Waldstueck in dem das Haus von Domi und Sylvie liegt gehoert zu dem Dorf Togakuchi. Hier liegt eines der wichtigsten Zentren des japanischen Shintoismus und Buddhismus und die fuenf heiligen Shintoschreine sind bis heute eine wichtige Pilgerstaette fuer Glauebige aus dem gesamten Land.
1182 zog sich, nach einer schweren Niederlage in der Schlacht, der Ninja Nishina Daisuke hierher zurueck da das Gebirge nicht unter dem Einfluss der herrschenden Klans stand.

 

Neben diesen touristischen Zielen hat die Gegend vor allem eines zu bieten: Natur. Daher lag es nahe, dass Sylvie und Dominique mich heute mit zum Trekken in die Berge mitgenommen haben.
 
Anfangs fuehrte der Trek vorbei an Unmengen von japanischen Touristen, die hauptsaechlich da waren um die weissen Misubasho-Blumen zu sehen. Spaetestens als wir am Furuike (alter See) vorbei waren, war kaum noch eine Menschenseele zu sehen. Hier ist Baerenland. Jahr fuer Jahr gibt es Angriffe von Baeren mit Schwerverletzten und Toten. Daher ist es ratsam die Baeren mit Laerm schon fruehzeitig zu verscheuchen, am besten bindet man sich eine Glocke an den Rucksack und wenn das Gelaende uneinsichtiger wird faengt man an laut zu reden, schreien oder zu pfeifen.
 
Zu Beginn war der Weg noch relativ flach, die Steigung nahm aber stetig zu. Immer wieder ging es vorbei an Rinnsaalen und Baechen aus Schmelzwasser aus den Bergen. Nachdem einige weitere Hoehenmeter ueberwunden wurden kamen wir in Gebiete in den sich der Schnee noch gehalten hat. Damit war der Wendepunkt der Tour fast erreicht und nach einem Abstieg, der weit schneller und weniger anstrengend war gings zurueck zum Auto.
 
Auf dem Rueckweg haben wir dann noch einen Zwischenstopp am zentralen Shintoschrein (Chusha) gemacht. Mit einem franzoesischen Abendessen geht dieser Tag zu Ende, an dem ich ein wenig ueberrachend (das richtige Schuhwerk hat gefehlt) die erste Kraxeltrainingseinheit absolvieren konnte. Morgen gehts wie schon gesagt fuer zunaechst zwei Tage nach Tokio.
 
Misubasho-Blume
 
Furuike (alter See)
 
Schmelzwasserbach laedt zum verweilen ein

Boss im Schnee

Wer findet den Ninja im Dickicht?

Bei dem Posttitel musste einfach ein Baer hier rein

 

 Tor zum Chusha-Schrein

Chusha-Schrein



Sayonara Doytsu, Konnichiwa Nihon
Mai 17, 2008, 1:20 nachmittags
Einsortiert unter: Japan, Nagano | Schlagwörter:
Willkommen zu meinem ersten Lebenszeichen aus Asien. Nach 24 h Odyssee bin ich gestern wohlbehalten in Nagano angekommen. Der Jetlag steckt noch ein bisschen in den Knochen, aber nicht so schlimm wie erwartet. Mit einem letzten Abschiedsgelage in der WG ging es gefuehlt gestern, datumstechnisch vorgestern los. Allerdings musste zunaechst noch mein Zimmer beraeumt werden und als groesstes Hindernis stellte sich mir die Matratze in den Weg. Mangels Transportmoeglichkeiten musste eine Alternative her. Praktischerweise haben wir den Plusparkplatz um die Ecke und der erschien uns als tauglicher Entsorgungsort. Also erfolgte der Abtransport guerrillamaessig um halb drei, vier Maenner vier Ecken.

Allerdings erschien uns eine Hochlagerung als Entsorgung am tauglichsten, also ab aufs naechste Auto.

Warum allerdings tags darauf das Auto unter zu Hilfenahme der Berliner Polizei abgeschleppt wurde und die Matraze liegengelassen wurde bleibt mir schleierhaft.

Nach dieser feuchtfroehlichen Nacht und viel zu wenig Schlaf gings nach Tegel und nicht ganz ohne Kloss im Hals in den Flieger nach Frankfurt. Der Flug war schon leicht turbulent aber denoch ereignislos. In Frankfurt noch schnell meinen Sitzplatz geaendert. Mein Tipp auf Langstreckenfluegen: Fensterplatz am Notausgang. Herlich sorviel Beinfreiheit. Der Abflug verzoegerte sich jedoch, da ein Passagier eine No-Show hingelegt hat, also musste sein Gepaeck wieder rausgekramt werden, was zurKonsequenz hatte, dass unser Abflugslot verstrich. Als wir dann endlich in der Luft waren kam der Aufruf, Aerzte an Bord moechten sich doch bitte melden, ein Passagier waere ernsthaft krank. Zu dem Zeitpunkt hab ich mich schon auf eine Zwischenlandung in Helsinki oder Sankt Petersburg eingestellt, aber es ging dann letztendlich ohne Unterbrechung weiter nach Tokio-Narita. In der Zeit bin ich immer wieder eingedoest und irgendwann ueber Japan wieder wachgeworden.

In Narita angekommen meinen Onkel Dominique angerufen, der mir den Weitertransport per Minibustaxi nach Nagano ca. 300 km nordwestlich von Tokio organisiert hat. Der Fahrer empfing mich mit einem Namensschild, jedoch mit einem leichten Schreibfehler drin. Wer Franzoesisch kann dem koennte dieser Schreibfehler auch leicht beleidigend vorkommen. http://dict.leo.org/frde?lp=frde&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed&sectHdr=on&spellToler=on&chinese=&pinyin=&search=cul&relink=on

 

 

 

Entgegen meinen vorigen Berechnungen und der Verspaetung des Flugzeugs hat die Fahrt letztendlich doch laenger gedauert. Die Zeit habe ich dazu genutzt noch ein wenig zu schlafen. Irgendwann bin ich dann auf der Autobahn in den Aussenbezirken Tokios wachgeworden, kam mir aber vor als waere ich Downtown. Hauser weit und breit. Den Japanern fehlet definitiv ein Wort in ihrem Wortschatz: Staedteplanung. Tokio ist ein organisch gewachsener Moloch, den ich mir aber erst naechste Woche von Nahem ansehen werde.

Angekommen ist das Taxi in Nagano um ca. 21:30h, die uebrigen Passagiere waren schon ausgestiegen, da meinte mein Fahrer zu mir, dass mein Zielort noch ca. 40 min entfernt war. Eine Aussage, auf die ich mich verlassen musste, da ich bis auf Dominiques und Sylvies Telefonnummern ohne Adresse aufgebrochen bin. Weiter gings durch Nagano durch und auf der anderen Seite den Berg hoch. Meine Japanische Familie ist naemlich im Wald in den Bergen sesshaft geworden.

Das Wetter hier in ueber Tausend Metern Hoehe ist auch leicht unterschiedlich zu dem im Tal. In Tokio noch mit Tshirt losgefahren habe ich heute Nacht unter zwei Decken geschlafen.Das Thermometer heute morgen hat 10 Grad gezeigt. Auf dem Plan stand heute ein Nachbarschaftsfest in Form eines Flohmarktes. Das Problem mit dem Flohmarkt und den Japanern ist es, dass sie das Konzept nicht ganz durchschaut haben. Jeder hat seinen Stand aufgebaut, seine Waren fest ausgepreist (alles unter der Anweisung von ca. einem Staffmember pro zwei Nachbarn). Das Problem war jedoch, dass es jetzt nicht mehr genug Kunden gab.

Nebenbei gabs aber noch ein kleines Kulturprogramm mit Taikodrummern und einem Alleinunterhalter in Form einer One-Man-Band.

Der Kerl hatte frueher ne Firma, die er aber zu Gunsten seines Hobbys aufgegeben hat.

Nebenbei konnte ich schon meine ersten Brocken Japanisch und Chinesisch an den Mann bringen. Mit Haenden und Fuessen und ein bisschen ego (Englisch) kann man sich schon verstaendigen. Man muss nur wollen. Ich duerfte inzwischen dem halben Dorf als der oiko doytsu furansu (deutsch-franzoesische Neffe) bekannt sein und das erste Willkommensessen bei Nachbarn ist fuer die naechste Woche auch schon geplant.

Nachmittags noch ein bisschen in der Gegend spazieren gewesen und dabei entschieden ebenfalls in der naechsten Woche den Iizuna an dessen Fuss das Haus meiner Familie liegt zu erklimmen (kleines Training fuer den Huang Shan in China).

Heute abend gabs das erste japanische Abendessen und weil es dazu Sake gab und mir heute die Sonne ordentlich auf den Pelz geschienen hat mach ich an dieser Stelle Schluss und werde mir das letzte bisschen Jetlag aus den Knochen schlafen.

Morgen gehts nach Togakuchi das Dorf hier um die Ecke, inzwischen Teil von Nagano. Montag oder Dienstag nach Tokio um meinen Japan Rail Pass einzuloesen, weil ich das dummerweise nicht gleich am Flughafen gemacht habe und man es hier in Nagano nicht machen kann. Eventuell uebernachte ich dann in so`nem Kapselhotel, mal sehen…



Mini.malistische Abschiedsparty
Mai 11, 2008, 12:19 nachmittags
Einsortiert unter: Countdown, Party

Der große Abschied rückt langsam näher und es wird Zeit die bisher vorherrschende gähnende Leere des Blogs mit Wörtern und Bildern zu füllen. Es bleiben noch vier Tage bis zum Abflug und noch so viel zu erledigen. Vorrang hat dabei zunächst einmal die Beräumung des Schlachtfelds, das noch mein Zimmer ist, damit sich Connie hier auch wie zu Hause fühlen kann. Doch mit weiteren Details der Vorbereitung will ich euch gar nicht langweilen, es wäre nur gut, wenn mir jemand am besten noch vor Donnerstag Bescheid gibt, dass ich noch meinen Rucksack packen muss.

Hauptthema dieses Blogs ist auch weniger die Reisevorbereitung als vielmehr die nette Abschiedsparty vom Freitag in der mini.mal Bar in Friedrichshain und da lass ich doch einfach mal die Bilder sprechen. Nur so viel: danke jedem der die Zeit gefunden hat vorbei zu kommen um sich noch einmal zu sehen, zum kennenlernen, verabschieden, etc. Danke den DJs, Daniel für die Organisation der Location und dafür, dass ich so dreist in die Party quereinsteigen konnte und last but not least allen die mir geholfen haben die gesamten Jägermeistervorräte der Bar zu vernichten.

Jetzt aber genug gequatscht Vorhang auf für die Partymeute


Die obligatorische Partygrimassen-Gallerie

Connie *schock*, Frida *freu*

ragging Bull (Daniel, 30, Sternzeichen Stier)

wir zwei sind schon dufte Kumpels, ne

Noch zwei Jägermeister bitte







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