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Danach lass ich mich ein wenig durch die Hintergassen treiben und finde das eine oder andere interessante alte Gebaeude, zumeist Tempel. Ueberhaupt hat Matsumoto in der Beziehung mehr zu bieten, als Nagano, das bis auf den Zenko-ji (siehe weiter unten) eigentlich neben den Olympiastaetten von 1998 (und selbst die sind keine architektonischen Glanzleistungen) eigentlich nichts zu bieten hat.
Zurueck im Bummelzug nach Nagano. Dort bleibt mir denoch ein wenig Zeit bis Dominique mit seinem Sprachkurs fertig ist und ich schaue mir noch schnell den Zenko-ji an, den zweitgroessten Holztempel Japans und angeblich beherbergt er das erste 552 nach Japan gebrachte Bildnis Buddahs. Angeblich, weil selbst 37 Kaisergenerationen das Bild nicht zu Gesicht bekommen haben. Nur alle sieben Jahre wird der Oeffentlichkeit eine Kopie vorgefuehrt. Den Tempel selbst erreicht man nachdem man zwei riesige Holztore durchschritten hat.
Tor 1
Tor 2 (japanisches Kulturdenkmal)
Zenko-ji
Bleibt zu klaeren wer von beiden die Gottheit ist
Jetzt ist es auch schon wieder spaet und ich haenge immer noch zurueck, allerdings nur noch einen Tag. Lest demnaechst, von meiner heutigen Begegnung auf dem Iizuna in 1917,37 m Hoehe und wie Dominique und ich morgen fuer eine deutsch-japanische Hochzeitsgesellschaft die Festreden vom Japanischen ins Franzoesische (Domi) ins Deutsche (ich) uebersetzen. Gesetzt den Fall, dass der Sake uns keinen Strich durch die Rechnung macht. Ich hoffe ich komme dieses Wochenende nochmal an den Rechner ran, weil naechste Woche geht es wieder auf Tour (Tokio und Fuji-san). Fuers eifrige Lesen sag ich allen domo arigato gozaimas, ein schoenen Start ins Wochenende und mir selbst wuensch ich mir jetzt oyasumi nasai.
Zum Einloesen meines Japan Rail Passes, eine Art Interrail-Ticket fuer das man in Deutschland nur einen Voucher bekommt, musste ich mich auf den Weg nach Tokio machen und das geht am billigsten mit dem Bus. Beim Warten auf selbigen fiel mir sofort die ausserordentliche Armut japanischer Staedte an Stadtmoebeln auf, sprich Baenke, Muelleimer und Uhren. Uhren hab ich spaeter festgestellt gibt es meist in Form von fassadenfuellenden, zur vollen Stunde laut quieckenden, kitschigen Kuckucksuhren. Das fehlen von Baenken laesst sich mit dem Lebensrythmus der Leute erklaeren. Man verweilt nicht, da dazu die Zeit fehlt. Schueler haben nach der Schule abends privat noch Unterricht und die arbeitende Bevoelerung ist froh nach der Arbeit schnell nach Hause zu kommen. Man hat keine Zeit zu verlieren.
Zielstation des Buses war Tokio-Shinjuku. Mit zwei Millionen Passagieren weltgroesster Umsteigebahnhof. Schock. Nicht nur die schiere Groesse und Unuebersich im Sueden tlichkeit, sondern auch das Wetter, das ein paar Grad waermer und dazu noch schwueler als in den Bergen war lassen mich ein wenig die Orientierung verlieren. Mit meinen zwei Reisefuehrern inkl. Stadtplaenen fuehle ich mich denoch einigermassen der Lage gewachsen. Der Bus kam am West exit an, das Japan Rail Ticket office liegt am Ost-Exit. Kein Problem. Einmal quer durch und man ist da. Warum ich letztendlich im Sueden wieder rausgekommen bin laesst sich mit den gefuehlten 20 Einkaufszentren erklaeren, die Teil des Bahnhofs sind, und die einen zu staendigen Richtungswechseln zwingt erklaeren. Der zweite Versuch endete am East central exit. Knapp daneben ist auch vorbei. An dieser Stelle kam mir der erste Arbeitstitel des anstehenden Blogpostes in den Sinn: Tokio-Come in and find out (you won`t). Durch den Bahnhof schien es nicht zu gehen, soviel war jetzt schon klar, also aussen rum und siehe da: success!!!
Shinjuku
Shinjuku
Um ein wenig Abstand zu gewinnen mach ich mich auf in den Westen und such mir erstmal was zu essen. Gestaerkt geht es weiter zum Metropolitan Gouvernement Building, dem Rathaus von Tokio. Die Aussichtsplattform im 45. Stock gibt einem die Moeglichkeit sich einen Ueberblick ueber die gesamte Stadt zu verschaffen und an guten Tagen erlaubt die Weitsicht einen Blick auf den Fuji-san. Da es aber diesig war bleibt mir der Blick darauf versperrt. Hier faellt der Entschluss ihn sich einfach mal aus der Naehe anzuschauen. Danach geschafft in nen Manga Cafe, da ich auf die Spielhoellen mit den vielen Lichtern nicht mehr wirklich Lust hatte. In Mangakaffees kann man wie der Name schon sagt sich Mangas ausleihen soviel man will, DVDs gucken und im Internet surfen. Ich entscheide mich fuer Letzteres und guck mir das zweite Viertelfinalspiel von Alba an. Da ich das Ergebnis schon kannte war es aber nicht wirklich spannend und ich schreibe lieber Emails.
Rathaus
Blick vom Rathaus
Folterkammer
Akibahara
Shinkansen
Eigentlich hatte ich jetzt noch vor das Kontrastprogramm der folgenden zwei Tage zu bloggen, aber der Sake und die Muedigkeit machen mir gerade einen Strich durch die Rechnung. Ausserdem muss ich mein Bildmaterial noch ein wenig sichten, da ich in den letzten beiden Tagen locker dreimal soviele Bilder geschossen habe, wie in den zwei Tagen in Tokio.
Boss im Schnee
Bei dem Posttitel musste einfach ein Baer hier rein
Tor zum Chusha-Schrein
Chusha-Schrein
Warum allerdings tags darauf das Auto unter zu Hilfenahme der Berliner Polizei abgeschleppt wurde und die Matraze liegengelassen wurde bleibt mir schleierhaft.
Nach dieser feuchtfroehlichen Nacht und viel zu wenig Schlaf gings nach Tegel und nicht ganz ohne Kloss im Hals in den Flieger nach Frankfurt. Der Flug war schon leicht turbulent aber denoch ereignislos. In Frankfurt noch schnell meinen Sitzplatz geaendert. Mein Tipp auf Langstreckenfluegen: Fensterplatz am Notausgang. Herlich sorviel Beinfreiheit. Der Abflug verzoegerte sich jedoch, da ein Passagier eine No-Show hingelegt hat, also musste sein Gepaeck wieder rausgekramt werden, was zurKonsequenz hatte, dass unser Abflugslot verstrich. Als wir dann endlich in der Luft waren kam der Aufruf, Aerzte an Bord moechten sich doch bitte melden, ein Passagier waere ernsthaft krank. Zu dem Zeitpunkt hab ich mich schon auf eine Zwischenlandung in Helsinki oder Sankt Petersburg eingestellt, aber es ging dann letztendlich ohne Unterbrechung weiter nach Tokio-Narita. In der Zeit bin ich immer wieder eingedoest und irgendwann ueber Japan wieder wachgeworden.
In Narita angekommen meinen Onkel Dominique angerufen, der mir den Weitertransport per Minibustaxi nach Nagano ca. 300 km nordwestlich von Tokio organisiert hat. Der Fahrer empfing mich mit einem Namensschild, jedoch mit einem leichten Schreibfehler drin. Wer Franzoesisch kann dem koennte dieser Schreibfehler auch leicht beleidigend vorkommen. http://dict.leo.org/frde?lp=frde&lang=de&searchLoc=0&cmpType=relaxed§Hdr=on&spellToler=on&chinese=&pinyin=&search=cul&relink=on
Entgegen meinen vorigen Berechnungen und der Verspaetung des Flugzeugs hat die Fahrt letztendlich doch laenger gedauert. Die Zeit habe ich dazu genutzt noch ein wenig zu schlafen. Irgendwann bin ich dann auf der Autobahn in den Aussenbezirken Tokios wachgeworden, kam mir aber vor als waere ich Downtown. Hauser weit und breit. Den Japanern fehlet definitiv ein Wort in ihrem Wortschatz: Staedteplanung. Tokio ist ein organisch gewachsener Moloch, den ich mir aber erst naechste Woche von Nahem ansehen werde.
Angekommen ist das Taxi in Nagano um ca. 21:30h, die uebrigen Passagiere waren schon ausgestiegen, da meinte mein Fahrer zu mir, dass mein Zielort noch ca. 40 min entfernt war. Eine Aussage, auf die ich mich verlassen musste, da ich bis auf Dominiques und Sylvies Telefonnummern ohne Adresse aufgebrochen bin. Weiter gings durch Nagano durch und auf der anderen Seite den Berg hoch. Meine Japanische Familie ist naemlich im Wald in den Bergen sesshaft geworden.
Das Wetter hier in ueber Tausend Metern Hoehe ist auch leicht unterschiedlich zu dem im Tal. In Tokio noch mit Tshirt losgefahren habe ich heute Nacht unter zwei Decken geschlafen.Das Thermometer heute morgen hat 10 Grad gezeigt. Auf dem Plan stand heute ein Nachbarschaftsfest in Form eines Flohmarktes. Das Problem mit dem Flohmarkt und den Japanern ist es, dass sie das Konzept nicht ganz durchschaut haben. Jeder hat seinen Stand aufgebaut, seine Waren fest ausgepreist (alles unter der Anweisung von ca. einem Staffmember pro zwei Nachbarn). Das Problem war jedoch, dass es jetzt nicht mehr genug Kunden gab.
Nebenbei gabs aber noch ein kleines Kulturprogramm mit Taikodrummern und einem Alleinunterhalter in Form einer One-Man-Band.
Der Kerl hatte frueher ne Firma, die er aber zu Gunsten seines Hobbys aufgegeben hat.
Nebenbei konnte ich schon meine ersten Brocken Japanisch und Chinesisch an den Mann bringen. Mit Haenden und Fuessen und ein bisschen ego (Englisch) kann man sich schon verstaendigen. Man muss nur wollen. Ich duerfte inzwischen dem halben Dorf als der oiko doytsu furansu (deutsch-franzoesische Neffe) bekannt sein und das erste Willkommensessen bei Nachbarn ist fuer die naechste Woche auch schon geplant.
Nachmittags noch ein bisschen in der Gegend spazieren gewesen und dabei entschieden ebenfalls in der naechsten Woche den Iizuna an dessen Fuss das Haus meiner Familie liegt zu erklimmen (kleines Training fuer den Huang Shan in China).
Heute abend gabs das erste japanische Abendessen und weil es dazu Sake gab und mir heute die Sonne ordentlich auf den Pelz geschienen hat mach ich an dieser Stelle Schluss und werde mir das letzte bisschen Jetlag aus den Knochen schlafen.
Morgen gehts nach Togakuchi das Dorf hier um die Ecke, inzwischen Teil von Nagano. Montag oder Dienstag nach Tokio um meinen Japan Rail Pass einzuloesen, weil ich das dummerweise nicht gleich am Flughafen gemacht habe und man es hier in Nagano nicht machen kann. Eventuell uebernachte ich dann in so`nem Kapselhotel, mal sehen…
Der große Abschied rückt langsam näher und es wird Zeit die bisher vorherrschende gähnende Leere des Blogs mit Wörtern und Bildern zu füllen. Es bleiben noch vier Tage bis zum Abflug und noch so viel zu erledigen. Vorrang hat dabei zunächst einmal die Beräumung des Schlachtfelds, das noch mein Zimmer ist, damit sich Connie hier auch wie zu Hause fühlen kann. Doch mit weiteren Details der Vorbereitung will ich euch gar nicht langweilen, es wäre nur gut, wenn mir jemand am besten noch vor Donnerstag Bescheid gibt, dass ich noch meinen Rucksack packen muss.
Hauptthema dieses Blogs ist auch weniger die Reisevorbereitung als vielmehr die nette Abschiedsparty vom Freitag in der mini.mal Bar in Friedrichshain und da lass ich doch einfach mal die Bilder sprechen. Nur so viel: danke jedem der die Zeit gefunden hat vorbei zu kommen um sich noch einmal zu sehen, zum kennenlernen, verabschieden, etc. Danke den DJs, Daniel für die Organisation der Location und dafür, dass ich so dreist in die Party quereinsteigen konnte und last but not least allen die mir geholfen haben die gesamten Jägermeistervorräte der Bar zu vernichten.
Jetzt aber genug gequatscht Vorhang auf für die Partymeute
Die obligatorische Partygrimassen-Gallerie
Connie *schock*, Frida *freu*
ragging Bull (Daniel, 30, Sternzeichen Stier)
wir zwei sind schon dufte Kumpels, ne
Noch zwei Jägermeister bitte